„Auf Glanz und Pracht bedachte Banker sind in der Regel Lumpen und Schwindler.“

Zitat aus Schreiben der US-Bankenaufsicht vom Jahr 1863

 

 

„Schädliche Größe“

FAZ 24.10.14

Es gibt „kein nationales Interesse am internationalen Wettbewerbserfolg einzelner Unternehmen, und geradezu schädlich sei der Blick auf internationale Champions, wenn deren Erfolg mit dem Geld von Steuerzahlern erkauft werde.“

 

„Zu gross fürs Gefängnis“

Handelsblatt, Michael Maisch

„In der Bankenwelt schützt Grösse noch immer vor Strafe…..Erst wenn sich Banken ohne Gefahr abwickeln lassen, kann man sie auch wegen schwerwiegender Verghen strafrechtlich verurteilen….das Image der Banken scheint dagegen beinahe rettungslos verloren…stattdessen sieht es so aus, als würde mit jedem Skandal, der mühsam aufgearbeitet wurd, irgendwo ein anderer sein hässliches Haupt erheben….viele Grossbanken sind nicht nur „too big to fail“, sondern auch „too big to jail“..so mächtig, dass es für die Staatsanwälte schwierig, wenn nicht unmöglich ist, sie strafrechtlich mit letzter Konsequenz zu verfolgen, weil die Konzerne destabilisiert würden und das wiederum das ganze Finanzsystem gefährden würde. Dafür gibt es inzwischen reichlich Beispiele…BNP…HSBC…Deutsche Bank……“

 

 

Goldstandard

Am 15. August 1971 verkündete US-Präsident Nixon, dass von nun an der US-Dollar nicht mehr in Gold einlösbar sei.

„Das war der grösste monetäre Enteignungsakt der Neuzeit“ (Prof. Thorsten Polleit)

 

 

Thomas Jefferson

„Das Übel dieser Sintflut von Papiergeld wird erst beseitigt werden, wenn unsere Bürger umfassend und rückhaltlos über deren Ursachen und Folgen aufgeklärt sind und durch ihren Einfluss eigennützige Forderungen, findige Spekulationen, die Geldschneiderei und die Banken zum Schweigen bringen. Bis dahin müssen wir uns hier und jetzt damit zufriedengeben, zu einem eher unzivilisierten Zustand zurückzukehren und in Ermangelung eines stabilen, allgemein anerkannten Wertträgers zum Austausch von Eigentum auf den Tauschhandel zurückzugreifen, weil das derzeit gebräuchliche Wertmittel weniger Stabilität bietet als Glasperlen und das Wampum des Indianers und unsere Bürger, ihr Eigentum und ihre Arbeit zu wehrlosen Opfern der betrügerischen Tricks der Banker und Scharlatane macht.“

März 1819

 

„Der Feind im eigenen Handelssaal, Banken mussten schon 200 Milliarden Euro Strafe zahlen“

FAZ 15.4.2015

„Die grössten inernationalen Banken haben seit Ausbruch der Finanzkrise weltweit schon mehr als 200 Milliarden Euro für Vergehen ihrer Mitarbeiter gezahlt….Zahlen der London School of Economics, die Zahlungen von 2008 bis 2013 beobachtete…..

 

Bändigt die Banken!

FAZ 27. November 2016

Sven Giegold, Udo Philipp, Gerhard Schick

„…In der letzten Finanzkrise war die dünne Eigenkapitaldecke der Banken der Hauptgrund für ihr Scheitern…..Der wichtigste Schutz gegen Insolvenz ist ..Eigenkapital…

Jedes „normale“ Unternehmen setzt 25 bis 30 Prozent Eigenkapital zur Finanzierung ein. Auch Banken waren in der Vergangenheit so finanziert. Die grossen Investmentbanken ware traditionell sogar als Partnerschaften organisiert…In den Jahren vor der Krise hatten Banken allerdings systematisch ihr Eigenkapital reduziert. Viele der gescheiterten grossen Banken nutzten nur ein bis zwei Prozent Eigenkapital zur Finanzierung. Die deutsche Hypo Real Estate (HRE) hatte gar nur einen homöopathischen Anteil von 0,08 Prozent echtem Eigenkapital in ihrer Bilanz…..

Die enorme Prozyklizität der Banken, also die Verstärkung der Konjunkturentwicklung durch ihren..Schuldenhebel, ist eine der wichtigsten Ursachen für Blasenbildung im Finanzsystem und für Rezessionen der Realwirtschaft…

Um das Risikogewicht ihrer Kredite und anderer Vermögensgegenstände zu berechnen, dürfen die Banken..ihre eigenen Riskomodelle nutzen..Die Modelle sind so komplex, dass man sie kaum nachvollziehen kann…

Aus unserer Sicht ist es völlig unverständlich, wie die Banken immer noch mit genau diesen scheingenauen Modellen arbeiten können und warum die Bankenaufsicht dies..toleriert…

Too big to fail….Diese vermeintliche Alternativlosigkeit verursachte unvorstellbar hohe Kosten: Allein in Deutschland mussten die Steuerzahler Banken mit der astronomisch hohen Summe von insgesamt 392 Milliarden Euro vor dem Zusammenbruch retten…auch heute noch betragen die Staatsschulden aus der Finanzkrise über 225 Milliarden Euro…

Weil die Kreditgeber wissen, dass diese Banken nicht in Konkurs gehen können, sind Anleihen grosser Banken fast so sicher wie Staatsanleihen. Jedes Jahr fliessen auf diese Weise implizite Subventionen von über 200 Milliarden Euro an Europas Grossbanken…

Kein Wunder, dass die Grossbanken ihre Mitarbeiter mit fürstlichen Gehältern und exorbitanten Boni entlohnen können.“

 

Weniger Spielraum für Missbrauch

FAZ, 17.10.2016 Martin Hellwig

„Vor allem die grossen Banken haben es im Kleinrechnen ihrer Risiken zu besonderer Meisterschaft gebracht. Um Missbrauch zu verhindern, braucht es klare und höhere Eigenkapitalvorgaben….Der Basler Ausschuss für Bankenaufsicht möchte gewisse Missbräuche beseitigen…Länder der Europäischen Union leisten erbitterten Widerstand…Dabei können die Banken ihre eigenen Modelle zur „Messung“ der Risiken einsetzen. Das bietet Spielraum für Missbrauch. Es ist paradox, wenn man einerseits glaubt, dass Banken reguliert werden müssen, da sie sich sonst zu hoch verschulden, und man andererseits den Banken vertraut, dass die die Risikoeinschätzungen angemesen durchführen….Vorschlag würde vor allem sehr grosse Banken treffen, da diese es im Kleinrechnen ihrer Risiken zu besonderer Meisterschaft gebracht haben…Sie betrachten den durch missbräuchliches Verhalten erzielten Spielraum zur Umgehung der Regulierung als Besitzstand…..“

 

„Deutschland hat die Finanzkrise nicht aufgearbeitet“

FAZ 24.10.14

Martin Hellwig, Präsident des Max-Planck-Instituts zur Erforschung von Gemeinschaftsgütern: „Früher glich der Bankensektor einem Lastwagen, der mit 150 Stundenkilometer in einen Tunnel fährt. Heute gleicht der Bankensektor einem Lastwagen, der mit 140 Stundekilometer in einen Tunnel fährt.“

Der Bankensektor ist noch lange nicht sicher, erforderlich ist eine erheblich höhere Eigenkapitalausstattung. Es gibt eine zu enge Verflechtung zwischen Banken und Politik. Die zunehmende Macht von Gläubigern gegenüber der Politik führt zur Aushebelung des Haftungsprinzips, der Bail-Out von Griechenland erfolgte nicht zuletzt zum Schutze deutscher und französischer Banken. Die Regulierung der vergangenen Jahre ist in Teilen unzureichend, in Teilen abwegig.

 

Strafen für Banken

FAZ 14. Januar 2015

„Manipulierte Wechselkurse, getürkte Zinssätze, Beihilfe zur Geldwäsche und Steuerhinterziehung – das Sündenregister der Banken ist lang….

Analysten der amerikanischen Bank Morgan Stanley …. haben nachgerechnet und kommen auf schwindelerregende Summen: Sie sagen voraus, dass die 25 grössten Geldhäuser in Europa und den Vereinigten Staaten dieses und nächstes Jahr weitere 70 Milliarden Dollar …. für Strafen und Entschädigungszahlungen aufwenden müssen. Die Gesamtkosten für die Institute würden damit seit Anfang 2009 auf umgerechnet 300 Milliarden Dollar steigen….

An vorderer Front steht in Europa die Deutsche Bank…….

Die Analysten….glauben, dass neben den Skandalen um Devisenkurse und Libor vor allem krumme Geschäfte mit Hypothekenpapieren die Branche in Zukunft noch teuer werden…..

In Europa sprengt….ein Falschberatungsskandal in Grossbritannien alle bisherigen Dimensionen von Strafzahlungen im Bankensektor: Umgerechnet mehr als 30 Milliarden Euro mussten die führenden Geldhäuser auf der Insel in den vergangenen Jahren ….aufwenden, weils sie Privatkunden über viele Jahre hinweg nutzlose Restschuldverschreibungen aufgeschwatzt hatten…..

 

Deutsche Bank zahlt 2,5 Milliarden Dollar Strafe wegen der Zinsmanipulationen

Laut der Nachrichtenagentur Reuters bezahlt die Deutsche Bank in einem Vergleich mit den Regulierern in Großbritannien und den USA 2,5 Milliarden Dollar Strafe. Bei dem Skandal hatten sich Händler bei wichtigen Referenzzinsen wie Libor und Euribor abgesprochen, um Handelsgewinne zu Lasten ihrer Kunden einzustreichen.

 

99,5 Millionen Dollar zahlt JP Morgan an Anleger wegen Devisenmanipulationen

FAZ 2.2.15

Laut Presseberichten hat sich die Bank mit Investoren auf eine Zahlung von 99,5 Millionen Dollar geeinigt, da Händler angeblich Devisenkurse zum Nachteil von Kunden beim Fixing manipuliert haben sollen. Insgesamt sind 12 Banken betroffen.

 

 

„Wie der Banken-Augiasstall ausgemistet werden soll“

FAZ 3. Juli 2014, Philip Pickert

„…Noch immer, rund sechs Jahre nach Ausbruch der Finanzkrise , liegt in Europas Bankbilanzen eine Menge Mist. Hinter vorgehaltener Hand sprechen Finanzleute über gewaltige Verluste, die in den Bilanzen verborgen seien. Bedrohlich hohe, zweistellige Quoten fauler Hypothekenkredite in Südeuropa, marode Schiffsfinanzierungen, fragwürdige Geschäftsimmobilien, komplizierte Verbriefungen, deren realen Wertgehalt kam einer mehr versteht – keiner weiss, wie viele Zigmilliarden in den Bilanzen der europäischen Banken eigentlich noch abgeschrieben werden müssten. Die Banken selbst trauen sich gegenseitig nicht über den Weg…..Nicht wenige Ökonomen befürchten, dass Europa ein „japanisches Szenario“ drohen könne mit „Zombie-Banken“, die künstlich am Leben gehalten werden. In Japan infizierten die kranken Banken die ganze Volkswirtschaft….Laut dem aktuellen Bankenmonitor des Instituts der deutschen Wirtschaft sind die Problemkredite am höchsten in Zypern und Griechenland, aber auch in Italien (11 Prozent) sind sie sehr hoch…..Aufbau der neuen EZB-Bankenaufsicht: „Wir haben nur einen Schuss, und der muss sitzen.“…..Bei dem „Blitztest“ 2011 wurden einige Banken für gesund erklärt, die wenig später in gewaltige finanzielle Schwierigkeiten gerieten und vom Steuerzahler gerettet werden mussten…..Jörg Asmussen: „Das wird die dritte und letzte Chance sein.“ “

 

Der britische Wirtschaftsminister Lord Mandelson 2009: „The banks are fucked, we’re fucked, the country’s fucked!“

 

„Wie die Investmentbanker reich werden“

FAZ, 2. Juni 2014, Marcus Theurer

„Ein Veteran der Londoner City schildert, wie sich seine Branche in den vergangenen Jahrzehnten in einen Selbstbedienungsladen verwandelt hat……Der Mann war Spitzenmanager mehrerer internationaler Investmentbanken…..Er ist eine Art wandelndes Geschichtsbuch der City. ……Noch Mitte der siebziger Jahre konnten in Grossbritannien nicht nur Ingenieure, sondern auch Anwälte, Architekten und andere Berufsgruppen mit einem höheren Einkommen rechnen als die Herren des Geldes in der City. ……Heute dagegen verdient ein Banker im Durchschnitt mehr als doppelt so viel wie ein Ingenieur und hat auch alle anderen untersuchten  Professionen mit Ausnahme der Ärzte weit hinter sich gelassen………Der Manager, der lange Zeit Teil des Systems war, sagt, seine Branche sei letztlich zu einem Selbstbedienungsladen geworden, eine Art Kasino, in dem die Spieler viel gewinnen und nichts verlieren können. Das Thema ist so brisant, wie nie zuvor…. Die Banken schätzten “den Bonus von heute noch immer höher ein als die Geschäftsbeziehung von morgen“ kritisierte … Christine Lagarde….und attestierte der Branche, sie verweigere noch immer „hartnäckig“ den Wandel….Bei Barclays waren im Jahrt 2013 die milliardenschweren Bonuszahlungen für die Mitarbeiter fast dreimal so hoch wie die Dividenden für die Aktionäre. Im Fall der Deutschen Bank….das Investmentbanking habe in den vergangenen beiden Jahren Verluste in dreistelliger Millionenhöhe verursacht. Dennoch habe die Deutsche Bank für diesen Zeitraum rund 4,5 Milliarden Euro an Mitarbeiter-Boni verteilt…….In den siebziger Jahren….Investmentbanken waren zu jener Zeit …nicht börsennotiert. Die Banker waren….Partner….Als Miteigentümer hatte man eine Gesamtverantwortung ….nicht nur an den Gewinnen, sondern auch an den Verlusten beteiligt……der Banker als Unternehmer war schon in den siebziger Jahren ein Auslaufmodell….Im Jahr 1971 ging Merrill Lynch als erste der führenden amerikanischen Investmentbanken an die Börsse…..Als eigentlichen Sündenfall sieht er jedoch eine andere Zäsur an: „Die Aufgabe des Trennbankensystems hat die Weltfinanzkrise von 2008 verursacht“……Die Kombination des Know-how der Investmentbanker mit der Kapitalstärke führender Geschäftsbanken führte zu einem revolutionären Wandel…….Das Kapital wirkte wie Doping und machte das Investmentbanking in den neunziger Jahren zu einer Geldmaschine, deren Räder sich immer schneller drehten – und die Einkommensspirale drehte sich mit…..Der Kapitalmarkexperte hat einen drastischen Ausdruck für diese Vermischung der Geschäftsmodelle: „raping the balance sheet“ – die Vergewaltigung der Bankbilanz durch die Investmentbanker…..Das Problem sei weiter ungelöst….Ein halbes Jahrzehnt nach der Beinahe-Kernschmelze des globalen Finanzsystems sieht der Bankenveteran die Geldhäuser unverändert auf Kollisionskurs mit dem Rest der Welt. „Wenn eine Branche, die total versagt hat, trotzdem so viel bezahlt, dann verletzt das ein natürliches Gerechtigkeitsempfinden…..Die Banken müssen einen Weg finden, ihre Mitarbeiter in einer Art und Weise zu entlohnen, die für die Gesellschaft akzeptabel ist.““

 

Banker/Finanzindustrie – Raub durch Hochfrequenzhandel

FAZ 13. Januar 2015

Algorithmen auf Computern von sogenannten „Algo-Tradern“ senden Kauf-und Verkaufaufträge in riesigen Volumina an die Börsen, um Arbitrage-Gewinne durch Kursdifferenzen zu erzielen. Es geht bei der Orderürbermittlung um Bruchteile von Sekunden, einen Nanosekunden-Vorteil hat der, dessen Computer am nächsten an der Börse steht. Viele Aufträge werden in Sekundenbruchteilen gleich wieder storniert. Gigantische Fehltrades können grosse Turbulenzen auszlösen („Flash Crashs“).

 

Einige der Börsenaufträge werden in räuberischer Absicht übermittelt:  um ein falsches Bild von Angebot und Nachfrage zu generieren („Spam and Cancel“), um Grossrechner der Börse durch eine Vielzahl von Orders etwas zu verlangsamen („Quote Stuffing“), um Liquidität vorzutäuschen („Spoofing“) oder Orderbücher durch „Anklopfen“ mit kleinejn Testorders auszuspähen („Pinging“), um einen Markttrend vorzutäuschen („Momentum Ignition“) oder um einen Kurs durch hintereinandergestaffelte Limits in eine bestimmte Richtung zu bewegen („Layering“).

 

Die Kreativität der Finanzindustrie ist mal wieder grenzenlos – leider erneut zu Lasten der normalen Anleger.

 

 

 

Ich glaube, dass Banken für unsere Freiheit eine grössere Gefahr darstellen als eine stehende Armee.

Thomas Jefferson

 

 

 

Banker – Tricksereien im Rohstoffhandel

n-tv 26.11.14

Der amerikanische Senat wirft Goldman Sachs Preismanipulation vor, unter der nicht nur die Wirtschaft im allgemeinen, sondern auch die Verbraucher gelitten haben. Ein überparteischer Untersuchungsausschuss kommt zu dem Ergebnis, dass vor allem Goldman Sachs, Morgan Stanley und JP Morgan Chase in den vergangen Jahren so weit in das Geschäft mit Rohstoffen vorgedrungen sind, dass das der Wirtschaft schade.

Ein weiteres Beispiel für die ungebremste Gier der amerikanischen Finanzriesen. Teure Lobbyarbeit führte zu einer weitgehenden Deregulierung der Märkte, die dann schamlos ausgenutzt wurde. Bis vor etwa zwanzig Jahren durften Banken keine Rohstoffe besitzen. Heute besitzt Goldman besitzt eine eigene Kohlengrube in Kolumbien, riesige Aluminiumlager in Detroit, JP Morgan besitzt 31 Stromkraftwerke, Morgan Stanley hat 100 Öltanker und 55 Millionen Fass Rohöl und eigene Lieferverträge mit Großkunden.

Durch geschickte Lagerhaltung kann der Markt verknappt und Preise in die Höhe getrieben werden und man hat beste Marktdaten, mit denen die eigenen Banker wunderbar spekulieren können. Dabei laden die Banken auch enorme Risiken auf sich, die im Zweifelsfall wieder von den Steuerzahlern getragen werden.

 

Banker

FAZ: „Wie wir lernten, die Banken zu hassen“

(22. Dezember 2013)

„..Das Jahr 2013 geht zu Ende. Und systemrelevante Banken gefährden noch immer das Wohlergehen des Landes und vieler anderen Volkswirtschaften. Warum? Weil die Politik nur an den Symptomen herumkuriert, aber die Ursachen der Krise nicht bekämpft. Was sind die Ursachen der Krise? Dass die Banken zuwenig Eigenkapital haben, mit dem sie für Fehlspekulationen haften können….Gewinne privatisieren, Verluste sozialisieren – so lautet das skandalöse Geschäftsmodell der Banken. Mit diesem Modell haben sie die Welt an den Rand des Abrunds gebracht…..Man soll sich nicht zufrieden geben, solange das alte, verderbliche System bleibt. Im Kern wollen Banken weiterhin Geschäfte machen dürfen, deren Risiken sie der Gesellschaft aufhalsen. Denn sie weigern sich, den zentralen Sicherheitspuffer ihrer Bilanz – das Eigenkapital – auf eine sozialverträgliche Höhe zu bringen. Warum weigern sich die Banken so hartnäckig? …Wegen des Hebels. Dieser Zauberstab des Fremdkapitals vervielfacht bei geringem Eigenkapital die Renditechance gewaltig. So etwas mögen die Banker. Denn dann können sie sich hohe Gehälter zahlen und saftige Boni gönnen. Aber der Hebel wirkt leider auch in die andere Richtung…..Wirtschaftsnobelpreisträger Eugene Fama: „Die Erwartung der Rettung durch den Steuerzahler verleiht den Banken teuflische Anreize, viel zu hohe Risiken einzugehen….Hätten die Banken in der Finanzkrise mehr Eigenkapital gehalten, hätten die Aktionäre viel Geld verloren, die Welt als Ganzes aber nicht so viel.“……Zwischen 2008 und 20123 mussten die europäischen Staaten nach Auweis der Europäischen Kommission ihre Banken mit 5,1 Billionen Steuergeld „retten“…….Risiko und Haftung gehören zusammen. Wer die Boni einstreicht, muss auch für die Verluste geradestehen……Die Banken heucheln Demut. Doch wahre Demut bestünde darin, für mehr Eigenkapital zu sorgen. Das aber scheuen sie wie der Teufel das Weihwasser………diese Zahlen ändern nichts daran, dass alle Banken der Welt….insgesamt grottenschlecht kapitalisiert sind. Um das zu kaschieren, werfen die Banken Nebelkerzen in die Öffentlichkeit…..Wer so argumentiert, unterschlägt auf ziemlich unanständige Weise die Kosten, die er der Allgemeinheit aufgebürdet hat……Das Argument, wonach höhere Eigenkapitalanforderungen zwingend zu höheren Kreditzinsen führen, ist weder theoretisch noch praktisch haltbar…….Wenn höhere Kapitalanforderungen Banken veranlassen, weniger zu verleihen, dann deshalb,weil sie Eigenkapital nicht erhöhen wollen……Im 19. Jahrhundert waren Eigenkapitalquoten zwischen 25 und 40%! Prozent durchaus üblich….Was also tun, wenn die Banken nicht freiwillig erhöhen? Dann muss man sie zwingen…..Zwang ist ein schmutziges Wort…Rauspauken (Bail-Out) ist aber noch viel, viel schmutziger.“

 

Banker

„….Weit mehr als eine Fussnote ist mir der Hinweis wert, dass die Deutsche Bank AG – wie andere grosse Banken auch – aus der Rettung der AIG durch den US-Staat eine Zahlung über 11,8 Milliarden US-Dollar für fällige Sicherheiten erhielt. Warum ist mir dies eine Erwähnung wert, wo es sich doch um einen unzweifelhaften Zahlungsanspruch der Deutschen Bank handelt?

Nun, eine Bank wie diese, die mehrfach bekundet hat, dass sie staatliche Hilfsmassnahmen nie in Anspruch nehmen müsste, wird sehr genau wissen, wie hoch ihr Abschreibungsbedarf gewesen wäre, wenn es nicht eine Serie staatlicher Stützungsmassnahmen gegeben hätte. Ich vermute, dass die nationalen Stützungsmassnahmen für IKB und HRE, die US-Rettung der AIG, die Stützung des Einlagensicherungsfonds der deutschen privaten Banken durch die Angebote des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes und die Gewährleistungen der EU-Staaten, unter anderem für Länder wie Griechenland, der Deutschen Bank AG einen Abschreibungsbedarf von 25 bis 30 Milliarden Euro erspart haben. Wären all diese Maßnahmen nicht erfolgt, hätte darüber sogar die Eigenkapitalausstattung der Deutschen Bank zum Problem werden können. Mit anderen Worten: Angesichts der vielen indirekten Vorteile aus diversen staatlichen Rettungspaketen sollte der Verzicht auf eine Inanspruchnahme direkter staatlicher Unterstützungsmassnahmen nicht so lustvoll betont werden…..“

Peer Steinbrück, „Unterm Strich“

 

 

„Erst zogen einige Bankmanager ihre Kunden mit obskuren und riskanten, aber provisionsträchtigen Anlagen über den Tisch. Dann nahmen sie ihre Anteilseigner aus, indem sie saftige Bonuszahlungen von den Erträgen abzogen und nicht etwa als Dividenden ausschütteten oder dem Eigenkapital zuführten; anschliessend jagten sie in ihrer Risikoignoranz den Wert der Banken in den Keller. Dann nahmen sie einzelne Staaten aus, indem diese sich gezwungen sahen, systemrelevante Banken mit Steuermitteln zu stabilisieren. Und schliesslich nahmen sie ganze Staatengemeinschaften aus, indem sie ihnen Notfallpakete abverlangten, mit denen ihre Kredite an bankrotte Staaten abgesichert wurden.“

Aus Peer Steinbrück, „Unterm Strich“

 

 

„Weitere Erfahrungen mit Bankmanagern liessen meinen Respekt für diese unantastbar kompetent erscheinende und von ihrer eigenen Bedeutung getragene Kaste systematisch sinken….“

Peer Steinbrück, „Unterm Strich“

 

 

„Das Einmaleins der Devisenbetrüger“

FAZ 13.11.2014, Marcus Theuer

„Wie Bankenhändler die wichtigsten Referenzkurse im Währungshandel manipuliert haben“

„Sie nannten sich ‚die Spieler‘, die ‚drei Musketiere‘ und …“A-Team“ – über Jahre hinweg haben verschworene Cliquen von Devisenhändlern großer Banken den internationalen Währungsmarkt manipuliert. In elektronischen Chatrooms tauschten sich die Mitglieder des Devisenzocker-Kartells untereinandern aus, um auf Kosten ihrer Kunden Profite einzustreichen…..Geldbußen von umgerechnet rund 2,7 Milliarden Euro….Im globalen Devisenhandel werden täglich rund 5,3 Billionen Dollar umgesetzt…..Der Glaube an faire Devisenkurse ist mittlerweile verflogen…Währungshandel weitgehend unreguliert und intransparent….‘Anreiz und Gelegenheit‘ zu Tricksereien …….Besonders dreist haben es die Manipulateure in den Handelssälen der Banken offensichtlich beim sogenannten ‚4pm London fix‘ getrieben. Beim ‚4pm fix‘ zum Ende des Londoner Handelstages werden täglich um vier Uhr nachmittags Kassapreise für 160 Währungen ermittelt….die mit Abstand wichtigsten Referenzwerte im Währungshandel….die Bankenhändler..garantieren ihren Kunden vorab, dass diese ihre Geschäfte zum Kassakurs abwickeln können, der beim Fixing ermittelt wird….Berechnet werden die Kassakurse auf Basis von Aufträgen , die während eines Zeitraums von nur einer Minute durch das Handelssystem des Finanzdienstleisters WM Reuters geschleust werden. Die Mitglieder des Devisenkartells haben sich vorab untereinander informiert, welche Aufträge sie während des ‚Handelsfensters‘ um 16 Uhr abwickeln wollen. Durch eine abgestimmte Stückelung der Aufträge während der entscheidenden Handelsminute versuchten sie den Kassapreis so zu beeinflussen, dass sie daraus Gewinn schlagen konnten….

 

 

Sittenverfall im Bankwesen – Ungehaltene Rede

15.07.2004, von Dr. h.c. Ludwig Poullain

Eigentlich hätte ich zum Thema „Landesbanken im Wandel der Zeiten“ zu Ihnen sprechen sollen – und auch gerne sprechen wollen. Doch dann wäre ich kaum umhingekommen, mich mit der herrschenden Lehre der Öffentlich-Rechtlichen streitbar auseinanderzusetzen. Und dies hätte zum Frevel an diesem hohen Feiertag werden können.

So wählte ich „Bank und Ethos“, im Glashaus sitzend – habe ich doch selbst einmal in diesem Gewerbe gegen die Gebote des Ethos verstoßen, war darum auch angeklagt, zwar vom Kadi freigesprochen, dann jedoch meinem eigenen Urteilsspruch unterworfen. Ich hatte gefehlt. Und ich fand es gerecht, daß ich dafür meinen Tribut zu zollen hatte. So fühle ich mich frei, frei genug, die gegenwärtige Szene kritisch zu beurteilen. Dennoch werde ich mich hüten, allzu dicke Steine in die Hand zu nehmen; jedoch werde ich auch nicht nur Sandkörnchen gegen die Glasscheiben werfen.

Es geht mir nicht um aktuelle Ereignisse – auch wenn ich Begebenheiten als Beispiele für moderne Verhaltensnormen nennen werde. Das Thema ist zeitlos. Bereits mit der Gründung der ersten Bank war es akut. Zum Einstieg wähle ich den öffentlichen Auftrag – nicht den, den die öffentlich-Rechtlichen für sich beanspruchen, sondern den an die gesamte deutsche Kreditwirtschaft gerichteten Öffentlichen Auftrag, die Bürger dieses Landes mit ihren Dienstleistungen zu versorgen, und dies in redlicher Art.

Redlich: welch schönes altes deutsches, welch treffendes Wort. Es beinhaltet Ehrlichkeit, Offenheit, Beflissenheit, Bereitwilligkeit, es bedeutet, gleichermaßen zu dienen wie zu leisten.

Schon vor mehr als 200 Jahren hat Kant den Bankdienstleistern die moralischen Verhaltensnormen hierfür vorgegeben: „Man darf sich bei Vergehungen gegen die Redlichkeit niemals auf die Schwäche der menschlichen Natur berufen; denn in der Redlichkeit kann man vollkommen sein.“ Kant unterstellt also bei einer Verletzung des Gebotes der Redlichkeit den Vorsatz. Somit hat er damals bereits Knebelungsverträge, Zinswucher, Übervorteilung, Ausnutzung von Unwissen, Verführung Unkundiger, Mißbrauch von Macht gegenüber Abhängigen und was es auf diesem Gebiet noch an weiteren Unarten geben sollte, unter sein moralisches Verdikt gestellt.

Anschwellender Bankgesang

Ob neben erfolgreichem Wirtschaften auch moralische Prinzipien das Denken und Handeln eines in einer Bank Verantwortlichen leiten sollten, vor diese Frage fühlte ich mich erstmals gestellt, als Ende der sechziger Jahre die Schlagworte „Macht der Banken, Machtmißbrauch durch die Banken“ zu aktuellen Themen wurden.

„Die Banken verfügen über eine große Macht. Sie wird im stillen ausgeübt. Also ist sie unkontrollierbar. Darum verführt sie zum Mißbrauch“, so lauteten die Thesen der damals Jungen und Wilden (heute bekleiden sie Ämter wie, beispielsweise, das des Bundeskanzlers). Sie forderten mehr Kontrolle über die Banken und, in ihrer Konsequenz, dann auch deren Verstaatlichung. Was macht man, wenn man so attackiert wird? Man entrüstet sich gebührend.

Aber war es nicht wirklich Ausübung von Macht, über Kreditlenkung auf Industrie und Wirtschaft Einfluß zu nehmen, war es nicht stille Gewaltanwendung, in den von uns Bankleuten durchsetzten und bestimmten Aufsichtsräten die Richtung zu bestimmen?

Die Attacken gegen die Macht der Banken wurden dann auch von Politikern, denen andere Mächtige neben sich dulden zu müssen lästig ist, allzugern aufgegriffen. Was ihnen jedoch mehr mißfiel, war das in den Banken angesammelte umfassende Wissen über die wirtschafts- und finanzpolitischen Zusammenhänge in unserem Land und die Bereitschaft, dieses Wissen den Bürgern ungeschminkt zur Kenntnis zu bringen, also fundierte Kritik zu üben. Solche Äußerungen trafen die Regierenden an empfindlicher Stelle. Denn es ist schon etwas grundlegend anderes, wenn gebündelter Sachverstand kritisch spricht, als wenn eine Opposition alles negiert, was eine Regierung sagt, macht oder unterläßt.

Als ich von dem damaligen Ministerpräsidenten meines Landes – der schon vor geraumer Zeit verstorben ist – aufgefordert wurde, als Chef einer öffentlich-rechtlichen Bank, an der das Land Nordrhein-Westfalen maßgeblich beteiligt sei, kritische Äußerungen gegenüber der Wirtschaftspolitik des damaligen Bundeskanzlers Helmut Schmidt zu unterlassen, fühlte ich mich weniger in meinen Rechten beeinträchtigt als vielmehr an der Ausübung meiner Pflichten gehindert.

So habe ich ihm dann geantwortet, daß er als Politiker das Grundgesetz, in dem mein Recht auf freie Äußerung meiner Meinung verbrieft sei, sicherlich besser kenne als ich. Was jedoch die Wirtschafts- und Finanzpolitik beträfe, fühlte ich mich als einer der Bestinformierten in unserem Lande. Wenn dann also ein Journalist mir eine Frage stellte, deren Beantwortung ich als wichtig ansähe, so würde ich es auch in Zukunft als meine Pflicht und zu meinen Aufgaben gehörend ansehen, diese mit öffentlicher Wirkung zu beantworten. Seine Replik: „Dann ist das Tischtuch zwischen Ihnen und mir zerschnitten.“ Das war dann so und blieb auch so.

Seit jeher ist es unbequem, eine eigene Meinung zu haben; noch beschwerlicher kann es werden, wenn man sie auch von sich gibt. Der letzte unserer Zunft, der die hierzu nötige Courage noch aufbrachte, war Alfred Herrhausen. Seitdem äußern sich die Sprecher der Vorstände lieber nicht mehr öffentlich kritisch zu Fragen der Wirtschaftspolitik. So können sie sich des Wohlwollens der Mächtigen sicher sein. Ersatzweise werden Chefvolkswirte zum unverbindlichen Talk ins Fernsehen entsandt. Meines Erachtens gehört es aber zu den ethischen Pflichten der Bankherren, ihr Wissen und ihren kritischen Sachverstand zur Aufklärung schwieriger wirtschaftspolitischer Zusammenhänge zum Wohle der Bürger, die diese Vorgänge nicht zu deuten vermögen, offenzulegen, auch wenn sie damit den Regierenden auf die Füße treten und diese ihnen darob ihr Wohlwollen entziehen.

Wir alle bewegen uns in der Strömung unserer Gesellschaft; dabei können wir uns von ihr treiben lassen, oder aber wir können uns ihr entgegenstemmen. Die Banken dümpeln träge mitten im Strom. Mich als Methusalem aus dem vergangenen Jahrhundert erschreckt, wie radikal und in welch hohem Tempo sich die Normen unserer Gesellschaft ändern – ich empfinde dies als moralischen Zerfallsprozeß.

Anders als der 1945 aus dem Krieg heimkehrende geschlagene Soldat P., der es als Glück empfand, die Fesseln der Staatswirtschaft gegen die Freiheiten, die ihm der Kapitalismus bescherte, eintauschen zu können und sich darum auch seinem Land verpflichtet fühlte, nehmen sich die meisten Mitglieder unserer Gesellschaft nicht mehr als wesentliche Bestandteile unseres Staates wahr. Sie sind von Fördernden zu Fordernden geworden. Diese Denkungsart hat auch das einst hochangesehene Bankgewerbe erfaßt. Auch dort haben sich Wertmaßstäbe verschoben. Selbstverständlich nicht so derb und vordergründig wie im gemeinen Volke, sondern vornehm und auf hohem Niveau. Man nutzte in der Wirtschaft, also nicht nur bei den Banken, die Veränderungen auch als Chance, sich elitär zu gebärden.

Noch nicht fällige Vertragsverlängerungen für Vorstände an einem Abend vor einer Hauptversammlung, auf der gravierende Fehlprognosen zur Diskussion standen, zu beschließen wird aktienrechtlich korrekt gewesen sein. Aber es war auch: instinktlos, taktlos, hoffärtig und arrogant. Daß einer aus unserer Branche hieran maßgeblich mitgewirkt hat, verletzte das Ethos unserer Zunft.

In Düsseldorf stehen einige Herren der Wirtschaft, darunter auch ein Banker, vor dem falschen Gericht. Denn die im Strafgesetzbuch stehenden Texte können den Kern der Handlungen nicht werten. Kant: „Der Gerichtshof ist im Innern des Menschen aufgeschlagen“, und „Handle so, daß die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne“.

Es entspricht den Standards unserer Gesellschaft, daß sie das Geld, das verteilt worden ist, in das Zentrum ihrer Kritik gerückt hat. Doch nicht die Höhe der Beträge bemißt das Übel. Das liegt vielmehr in der Art, wie die Herren die Sache gemacht haben und als ihr Recht betrachten, so gehandelt zu haben: Wie sie mit ihren vor der Brust verschränkten Armen den Einzug des Gerichts erwarten, dieses Bild tut weh.

Uns in der Wirtschaft täte Demut zu empfinden, und sie mitunter auch zu zeigen, gut. Wir müssen nicht mit dem Kopf unter den Armen herumlaufen, aber ein Gespür dafür entwickeln, was in den Gemütern derer vorgeht, die nicht auf der Sonnenseite rechtssicherer Dienstverträge leben. Wir sind Pharisäer, wenn wir nur immer wieder auf den Mißbrauch sozialer Sicherungsinstrumente hinweisen, anstatt unser eigenes Tun selbstkritisch zu betrachten. Selbstkritische Gedanken scheinen einem Bankherren heute nicht mehr angemessen; das eigene Tun in Frage zu stellen – ich meine: vor sich selbst, nicht gegenüber dem Aufsichtsrat -, erscheint ihm als zinsloser Aufwand. Dabei hatten und haben wir so viele hervorragende Vorbilder!

Wenn ich sage, die heute in den Banken Handelnden seien stromlinienförmiger geworden, könnte das falsch verstanden werden: als meinte ich, sie hätten die Fähigkeit erworben, sich schneller den Herausforderungen zu stellen. Doch ihre windschlüpfige Form nutzen sie lieber dazu, sich solchen Verpflichtungen zu entziehen. Ist es nur Lässigkeit, wenn sie sich scheinbar unbedacht über die Kreditwürdigkeit ihrer Kunden äußern? Hätte sich ein Hermann Josef Abs, der seinen Namen mit der ihm von uns Zeitgenossen zugestandenen Arroganz zu buchstabieren pflegte: „A wie Abs, B wie Abs, S wie Abs“, jemals dafür hergegeben, über einen Kunden Kreditschädigendes zu sagen?

Auch zu seiner Zeit hätte er einen Anlaß finden können, mit einer kundenschädigenden Aussage der eigenen Bank einen Vorteil zu verschaffen. Aber eher hätte er einen materiellen Nachteil hingenommen, als die ethische Maxime, das Bankgeheimnis wie ein Beichtgeheimnis zu wahren, zu verletzen. Heute dagegen scheinen Mächtige unserer Zunft nichts Anrüchiges mehr dabei zu finden, wenn sie scheinbar beiläufig in einem fernen Land vor einer laufenden Fernsehkamera einem ihrer Kunden, der ihrer Zunft nicht nur durch Kreditvertrag, in dem gegenseitig Stillschweigen vereinbart worden war, verbunden ist, sondern der sich, wenn der Grundsatz von Treu und Glauben noch gelten sollte, ihr anvertraut wähnte, Schaden zufügen – um danach von sich zu geben, sie hätten nichts von Bedeutung gesagt. Indem ein in unserer Branche Herausragender sein Wissen auf diese Weise öffentlich machte, verletzte er die zwar ungeschriebenen, aber bis dahin noch gültigen Gesetze unseres Gewerbes. Nun sind sie Makulatur.

Ich frage: Wie will die deutsche Kreditwirtschaft ihre an den Gesetzgeber gerichtete Forderung, das Bankgeheimnis nicht anzurühren, begründen, wenn einer ihrer Repräsentanten es derart verletzt hat? Die Bank wurde wegen Verletzung des Kreditvertrages in zwei Instanzen zur Leistung von Schadenersatz verurteilt. Da eine Revision nicht zugelassen wurde, wählte sie den Weg der Nichtzulassungsbeschwerde. Es galt erst einmal, Zeit zu gewinnen. Lange Fristen haben den Charme, Unangenehmes undeutlich werden zu lassen. Eine solche Taktik ist zwar nicht unbedingt ehrenhaft, aber bequem und wirksam.

Es gibt Vorgänge, die nicht verjähren, weil ihr moralischer Kern nicht verwittert.

Erdnüsse in den Strümpfen

Vor ziemlich genau zehn Jahren wurde der Peanut, der Wert einer Erdnuß, neu erfunden. Danach betrug er rund 50 Millionen Deutsche Mark. Doch das ist nicht mein Thema. Mich beschäftigt die Reaktion des Erfinders auf die massive Kritik, die ihm nach der Verkündigung seines Satzes entgegenschlug: „Mich verblüfft schon, mit welcher Vehemenz und Uneinsichtigkeit auf uns eingeprügelt wird“, sagte er und fuhr fort: „Wir haben niemandem geschadet außer uns selbst.“ Diese Aussage gibt nebenher Auskunft darüber, wem nach Meinung des Bankvorstandes die Bank gehört: ihm, selbstverständlich ihm, dem Vorstand, und nicht etwa den Aktionären.

Dieses „Wir haben niemandem geschadet außer uns selbst“ ist so unwahr wie unredlich. Ethos der Banken? Wollten sie sich mit diesem Nimbus umgeben, müßten die Leute an ihren Spitzen zunächst einmal danach trachten, ihre Köpfe mit einem anderen Geist zu füllen. Sie müßten ihre Instinkte und ihr Denken wandeln. Und dann auch noch den Untergebenen, deren Motivation sich im schnellen Geldmachen erschöpft, andere Wegmarken einpflanzen – auch ihren Investmentbankern. Doch selbst für Herakles, der die Erde von ihren Unholden befreite und sich klaglos allem Schlimmen beugte, wäre diese Aufgabe wohl zu schwer.

Ich maße mir nicht an, die herrschenden Verhältnisse zu ändern. Ich will nur etwas an sie rühren. So spreche ich nur von den Pflichten der Bankherren. Sie alle, wir alle sind unserer Gesellschaft gegenüber zu redlichem Handeln verpflichtet. Unsere Aufgabe ist es nicht, Waren zu produzieren und sie zu vertreiben. Wir sind Treuhänder. Die Bürger unseres Staates haben uns wesentliche Teile ihres von ihnen erarbeiteten Vermögens anvertraut. Dieses Vertrauen kann nur gerechtfertigt werden durch die Erfüllung der Pflicht, die Werte nicht nur sicher anzulegen, sondern auch mit einem höchstmöglichen Bonus auszustatten.

Diese Pflicht eines Verwalters fremder Vermögen hat eine andere Maxime als etwa die Pflicht eines Vorstandes eines Büromaschinenherstellers. Mich dünkt, daß an die Stelle der Pflicht, seine eigene Person, oder, falls vorhanden, seine Persönlichkeit, sich selbst mit Geist und Haut und Haaren in seine Aufgabe einzubringen, die Unverbindlichkeit gerückt ist. An die Stelle des sich auch dem Wohle dieses Landes verpflichtet fühlenden „Bankiers“ ist der „Banker“ getreten.

Was den Unterschied zwischen einem Bankier und einem Banker ausmacht? Der Bankier war ein vornehmer Mann, kein Vornehmtuer, er war also ein Herr, der die Kunst und die Geduld des Zuhörens beherrschte und so souverän war, seine eigene Meinung durch das, was er aufnahm, zu korrigieren. Er räumte den Ratgebern Zeit ein, und er nahm die Sorgen derer, die sich ihm anvertrauten, ernst. Er war kein Mann des schnellen Geldmachens, sondern suchte seinen Nutzen in der Beständigkeit einer Beziehung.

Ein Banker dagegen ist ein globaler Universeller. Er weiß nicht nur alles, er weiß auch alles besser; etwa von Abläufen in Produktion und Versand, von Forschung und Entwicklung, also von Dingen, von denen er von Haus aus nur wenig wissen kann. Hat er sich einmal eine Meinung gebildet, steht sie unverrückbar fest. Sie ist nicht mehr diskutierbar. Am liebsten verkehrt er nur unter Gleichgekleideten. Gepflegte Tischsitten und strikte Beachtung der Regeln der Etikette gelten ihm als Ausdruck hochentwickelter Kultur.

In den letzten zwanzig Jahren haben an der Spitze der Banken vier- bis fünfmal die Generationen gewechselt. Die heute sind um nichts schlechter, als wir, die Verflossenen, es waren. Nur anders sind sie. Den Herren der Neuzeit ist die Fähigkeit oder der Wille abhanden gekommen, sich mit ihren Institutionen zu identifizieren. Nannte man etwa in den siebziger Jahren den Namen Ponto, so nannte man damit gleichzeitig den Namen seiner Bank. Der Mann an der Spitze machte sich mit seiner Bank eins. Höre ich Ackermann, fallen mir Globalisierungswut und schwyzerischer Erwerbssinn ein, letzterer jedoch nur in verfremdeter Form. Ackermann ist dabei, die Identität der Bank, die einen stolzen Namen trägt und, dies bekenne ich gerne, für mich in meiner aktiven Zeit immer ein Vorbild für Abgewogenheit im Denken und Tun war, für immer und ewig wegzugeben. Auch der Herr Bundeskanzler hat auf dem letzten Sparkassentag in Frankfurt mit der staatsmännisch klingenden Formulierung, mit Fusionen „endlich in die Strümpfe zu kommen“, diese Politik für gut und richtig erklärt, wobei er es nicht unterließ, den Landesbanken seinen speziellen Rat zu geben, aus ihrem runden Dutzend nur noch drei zu machen – als ob Fusionen in die Horizontale die einzig wahren wären. Nur wer in die Tiefe bohrt, stößt auf Brunnen. Glaubt der Bundeskanzler, glauben die Banken, daß die bloße Addition von Bilanzsummen und Eigenkapital auch zu größeren Leistungen führen wird? Ob sie, als in der Schule die Differentialrechnung gelehrt wurde, gefehlt haben?

Ich denke, daß die Identität der Deutschen Bank mehr wert ist als ihre sonstigen stillen Reserven. Ich denke auch, daß sie alle Dienstleistungen und Finanzierungen, die von ihr gefordert werden, in hervorragender Qualität zu erbringen in der Lage sein wird, auch, oder vielmehr gerade dann, wenn sie bleibt, wie sie ist, nämlich allein. Bliebe als Grund für Fusionen dann noch die Furcht vor dem unbekannten großen Dritten, der Feindliches plant. Gibt es ihn überhaupt, oder malt man nur ein Gespenst an die Wand, um Verständnis für nicht Verstehbares zu erwecken? Mein Eindruck ist, daß die Aktionäre sich mehr als die Mitglieder ihres Vorstandes mit ihrer Bank identifizieren.

Gewinnmaximierung ist keine Maxime

Vor geraumer Zeit veranstaltete die philosophische Fakultät meiner heimischen Universität eine Veranstaltungsreihe, die sich mit dem Verhalten verschiedener Gruppen in unserer Gesellschaft beschäftigte. Unter anderem auch mit den Banken. Im Veranstaltungskalender stand zu diesem Thema: „Das Mißverhältnis zwischen hohen Kreditzinsen auf der einen Seite und niedrigen Sparzinsen auf der anderen Seite ist von Millionen von Bankkunden zwar als Ärgernis, aber bisher doch stillschweigend hingenommen worden.“ Dieses Phänomen ist so alt, daß ich es sogar noch aus meiner aktiven Zeit kenne. Der terminus technicus der Bankensprache dafür lautet: „Zinsunempfindlichkeit der Sparer“.

Zu dem Satz von der Verhältnismäßigkeit des Kreditzinses zum Sparzins fand ich bei Kant Entsprechendes. Er erzählte ein Beispiel von einem Krämer: Ein Kaufmann berechnet die Preise für seine Ware und entschließt sich, ehrlich zu sein. Er will seine Kunden, ob sie nun unerfahren sind – dies gilt, das füge ich ein, in der Regel auch für Sparer – oder ob es sich gleich um Kinder handelt, nicht übers Ohr hauen. Eine solche Handlung geschieht noch lange nicht aus Pflicht, so behauptet Kant, sondern sie ist „pflichtmäßig“, äußerlich nicht von derselben Handlung aus ehrlichen Grundsätzen heraus zu unterscheiden. Warum? Kant fährt fort: Weil es sein kann, daß der Kaufmann aus Vorteilsdenken ehrlich ist, damit ihm die Kunden nicht davonlaufen. In diesem Fall geschieht seine Handlung in Wahrheit aus eigennütziger Absicht.

Die Banken braucht die Sorge des Krämers, daß ihm die Kunden, wenn er sie denn übers Ohr hauen sollte, davonlaufen, nicht zu plagen. Selbst wenn ein nicht „zinsunempfindlicher“ Sparer alle Banken am Platz abklappern und die in den Kassenräumen aushängenden Konditionen miteinander vergleichen würde, er wird kaum etwas Besseres als das finden, was ihm seine Hausbank seit eh und je bietet.

Marktgerechte Zinsen seien dies, erklärt der Kundenberater jeder Bank seinem durchaus zinsempfindlichen Sparer. Oder doch nicht eher ein stillschweigendes Kartell? Ich kann nur festhalten, daß es seit langer Zeit auf diesem Sektor kaum noch Wettbewerb gibt. Leider haben die Sparkassen dazu ihren Beitrag geleistet, da sie freiwillig ihre Preisführerschaft aufgegeben haben. Dies scheint nun die Postbank zu übernehmen. Ob sie dafür einen öffentlichen Auftrag beansprucht?

Wir Deutschen werden sparen, fürderhin und immerdar. Die Sparer haben sich schon seit langem damit abgefunden, daß ihnen ihre Einlagen, ziehen sie die Inflationsrate ab, kaum noch eine reale Verzinsung bringen. Dennoch, sie lassen die Einlagen stehen. Sie sind ihre Sparstrümpfe für Unvorhergesehenes. So wurden selbst Spareinlagen mit täglicher Fälligkeit zu Dauerleihgaben der Sparer an die Banken. Mit ihnen läßt sich lässig wuchern. Sogar weltweit.

Für Kant war die „Maxime“ ein Prinzip des Willens, „unangesehen der Zwecke, die durch solche Handlungen bewirkt werden können“. Die Maxime hat auch Eingang in die Bankersprache gefunden, als „Gewinnmaximierung“. Den Gehalt des Wortes „Maxime“ total zu verkehren und dann zum Maß aller Dinge zu machen kann nicht nur Gedankenlosigkeit sein. Dies ist auch Ausdruck der Gesinnung. Gewinnmaximierung zum Hauptziel des geschäftlichen Tuns zu erklären bedeutet die Verletzung der ethischen Pflichten des Unternehmers. Zudem ist es dumm, die Gewinnmaximierung zur Maxime zu machen, weil sie kein belastbares Fundament einer Unternehmenspolitik sein kann.

Doch warum sollte eine Bank der eigenen Profitgier Grenzen ziehen, wenn das Motto „Bereichert euch“ ohne moralische Hemmungen öffentlich gepredigt werden kann? Warum moralisch sein, solange die Unmoral nicht mit dem Handelsgesetzbuch und dem Strafgesetzbuch kollidiert? Warum also Gutes tun, wenn Böses tun so einträglich ist? Elementare Fragen sind oft am schwersten zu beantworten.

Es ist aus meiner Sicht nur konsequent, wenn sich die Banken den moralischen Rahmen ihres Handelns selber gebastelt haben: daß sie sich alles erlauben können, was nicht ausdrücklich verboten ist. Daß auch wirtschaftliches Denken und Handeln nicht wertneutral ist, scheint sie nicht zu beschweren.

Um nicht mißverstanden zu werden, füge ich ein: Auch für mich ist selbstverständlich, daß der Zweck wirtschaftlichen Handelns der Erfolg, das Ergebnis ist. Das Tun oder das Unterlassen der Verantwortlichen wird in Euro oder Dollar gemessen. Ihre Fähigkeiten, ihr Fleiß oder ihre Trägheit finden in nackten Ziffern ihren angemessenen Niederschlag. Dies ist auch darum wichtig, weil am Erfolg die Erhaltung und Entwicklung der Substanz eines Unternehmens und die Wohlfahrt der Eigentümer und Beschäftigten hängen. Aber auch erfolgreiches Wirtschaften schließt die Frage nach der Methode nicht aus, mit der die Ergebnisse erzielt wurden.

Nicht nur die Glaubwürdigkeit der Bankvorstände wird beschädigt, die alle naslang mit einer neuen Erklärung über die Ziele ihrer Unternehmen der gerade vorausgegangenen widersprechen; ihre flinkzüngige Wendigkeit läßt auch Stetigkeit und Sicherheit, somit auch Solidarität und Redlichkeit vermissen. Nehme ich solche in ihren Inhalten rasch wechselnden Äußerungen wahr, so beginne ich darüber zu rätseln, ob sich der Sprecher gründlich genug mit den Problemen seines Unternehmens auseinandergesetzt hat oder ob die gerade vorher von ihm verkündete Politik Mißerfolge zu bringen droht. Oder ist er nur ein munter von Ast zu Ast hüpfender Zaunkönig?

Ethos der verboten – gibt es das? Gibt es ein Ethos der Handwerker, der Rechtsanwälte, der Mediziner? Die Gründungsväter der Handwerker-Innungen haben sich Standesregeln gegeben, deren Ansprüche sich zuerst gegen sie selbst richteten. Aber ist aus dem „Gott schütze das ehrbare Handwerk“ nicht inzwischen ein „Gott schütze uns davor“ geworden? Die Mediziner haben sogar ihr eigene Eidesformel, die hippokratische. Doch unabhängig von den ethischen Pflichten, die sie damit auf sich laden, haben sich nicht wenige von ihnen einen eigenen Gott gekürt, Hermes, den Gott der Anlageberater und Abschreibungsakrobaten. Doch ich habe es nicht mit den moralischen Kriterien von Klempnermeistern oder Dermatologen zu tun, ich habe mich mit denen der Bankherren auseinanderzusetzen. Auch darum, weil ich mich selbst betroffen fühle; schließlich bin ich ein gelernter Bankkaufmann.

Unsere Altvorderen haben keine Standesregeln zu Papier gebracht. Wir schwören auch keine Eide. Aber dürfen wir dennoch, ohne Schamgefühl zu empfinden, ethische Grundsätze für den eigenen Gebrauch ausschließen – so, als würden diese nur für andere, etwa unsere Kreditnehmer, gelten – und uns dafür lieber der Gewinnmaximierung widmen?

Die Soziale Marktwirtschaft ist nicht nur der Generator unserer Gesellschaftsordnung, sie ist auch ihr moralisches Korsett. Gerade das letztere gilt auch dann noch, wenn ich werte, daß die Marktwirtschaft immer noch das Substantiv und das Wörtchen „soziale“ nur das Adjektiv ist. Nicht die mit ihr Unzufriedenen – weil sie zu wenig Soziales abwirft – noch die sie kritisierenden Werteverbesserer können sie gefährden; dies vermögen allein die in ihrem Zentrum Agierenden, wenn sie nicht endlich die Balance zwischen ihrem Eigennutz und der Verantwortung, die sie für unser Land tragen, finden.

Darum, ihr Bankleute, wartet nicht, bis die Tide kippt und sie euch zu neuen Ufern trägt. Schwimmt schon jetzt los, gegen den Strom dieser Zeit. Erforscht euch einmal selbst, wischt euch den Puder von der Backe, achtet weniger auf euer Image als vielmehr auf das Standing – das eurer Bank ebenso wie das persönliche. Sagt, was ihr denkt, tut, was ihr sagt. Öffnet eure Gesichter.

 

 

„Grösse, so heisst es, sei kein Verbrechen. Aber Grösse kann schädlich werden infolge der Mittel, durch welche sie erreicht wurde, oder der Zwecke, zu welchen sie eingesetzt wird.“

Louis Brandeis

(Other people’s money. And how the bankers use it, 1913)

 

 

Bankier: ein Mensch, der seinen Schirm verleiht, wenn die Sonne scheint, und ihn sofort zurückhaben will, wenn es zu regnen beginnt.

Mark Twain

 

Das Geld zieht nur den Eigennutz an und verführt stets unwiderstehlich zum Mißbrauch.“

(Albert Einstein)

 

 

„Die Unfehlbaren“

von Andrew Ross Sorkin über die Finanzkrise von 2008, insbesondere der Pleite von Lehman Brothers

Vorwort von Gabor Steingart

„..Ein Markt ohne Ordnung..schafft am Ende immer nur eine Anarchie, in der ökonomische Verwüstung und menschliche Tragödien einander bedingen. Man kann dem heutigen Weltfinanzsystem vieles nachsagen, aber nicht, dass es Stabilität hervorbringt….die Urkräfte, die sich in den damaligen Ereignissen entladen haben, sind nicht verschwunden. Im Innern des Weltfinanzsystems grummelt es. Es herrscht – schon wieder oder immer noch – die alte Mischung aus Gier und Grössenwahn, aus exzessivem Risikoappetit und einem Bezahlsystem, das dieses Appetit verstärkt, anstatt ihn zu dämpfen….die Mächtigen der New Yorker Banken sich selbst als Finanzgenies sahen…die eine neue Ära erschaffen haben, in der mit geringem Risiko Gewinne zu machen sind…diese Vorstellung spukt noch immer in den Köpfen der meisten Akteure herum….diese Welt des permanenten Wahnsinns, die wir verharmlosend Investmentbanking nennen….Im grossen Weltfinanztheater fand keine wirklichee Neubesetzung statt….die Banken sind durch das Ausscheiden einiger Konkurrenten sogar noch grösser, noch mächtiger, noch arroganter und damit auch noch gefährlicher geworden….Das Problem des „moral hazard“…ist durch die Rettung der Banken zu einer konkreten Gefahr geworden…Indem die USA die Krise bekämpfte, bereiteten sie die nächste vor……15 Billionen Doller..um eine einzelne Industrie zu retten…die meisten Beteiligten wurden gerettet, nicht bestraft. Sie wurden genau genommen sogar belohnt…Die Spekulation mit dem Geld fremder Menschen wurde im Zuge der Krisenbekämpfung jedenfalls nicht beendet, sie wurde stimuliert, weshalb die Bankbosse aus alledem andere Schlüsse gezogen haben, als das gemeine Publikum….die enormen Summen, die damals zur Rettung des Banksektors …aufgewandt wurden, belasten heute die staatlichen Haushalte. Wall Street lebt, aber viele Staaten bleiben verletzt zurück…die Staatsschulden ..haben sich durch die Kosten der Weltenrettung enorm gesteigert…Das Wort „Krise“ haben die Banker bereits aus ihrem Leben ausgebucht..Es wird wieder gezock. Es wird wieder gefeiert. Und es wird wieder klotzig verdient. Inmitten einer noch immer kriselnden Weltwirtschaft scheffelt die Finanzelite erneut Milliarden….Die Banken betrachten sich weiter als Teil einer weltweiten Risk-Taking-Industrie, auch wenn sich gerade erst gezeigt hat, dass die sie Risiken, die sie eingehen, nicht tragen können….der Konsens..ist wieder aufgekündigt…..Der Staat hat für die Spekulanten die beste aller Welten geschaffen. Erst nahmen die Regierungen ihnen die wertlosen Papiere..ab, dann drängten sie den Banken billiges Eigenkapital auf, und nun versorgt der Staat die Geldhäuser täglich mit Liquidität zu einem Zinssatz nahe der Nulllinie..….“Für die überlebenden Banken sind das die profitabelsten Zeiten, die es jemals gegeben hat“….“Man muss wirklich kein Genie sein, um sich quasi umsonst Geld vom Staat zu leihen und damit eine Heidenkohle zu verdienen“…..Der Ruf nach strengerer Kontrolle und mehr Sicherheitsgarantien steht zwar jeden Tag in der Zeitung, aber im Alltag wirken diese Regeln bisher nicht….Nun wird..der Wahnsinn 2.0 gestartet…..Die Banker..dürfen alles riskieren ..und sie werden nie bestraft.

 

 

Verstehen zu wollen, wie es zu den Ereignissen im September 2008 kam, ist ..wichtig,.., wenn daraus die richtigen Lehren gezogen werden, um das System zu stärken und vor künftigen Krisen zu schützen..Wenn der Regulierungsmechanismus nicht radikal geändert wird und Massnahmen ergriffen werden wie: eine strikte Begrenzung der Kapitalanlage mit geborgten Mittel; die Beschneidung von Vergütungsstrukturen, die ihre Empfänger animieren, untragbare Risiken einzugehen; und eine entschlossene Bekämpfung der Tatsache, dass die Märkte von Aktien und Derivaten durch Gerüchte manipuliert werden, dann wird es weiterhin Firmen geben, die zu gross zum Scheitern sind. Und dann wird sich der Kreislauf nur wiederholen, wenn die nächste unvermeidliche Blase platzt.

 

 

Die Finanzindustrie sollte traditionell als eine Art unsichtbare Stütze der Gesamtwirtschaft funktionieren, indem sie neuen Unternehmen hilft, auf die Beine zu kommen, und älteren, sich anzupassen und zu expandieren. In den Jahren vor der Krise jedoch trat der Finanzsektor selbst in den Vordergrund. Die Wall Street machte es sich zum Ziel, Gewinne für sich selbst statt für ihre Klienten zu erwirtschaften.

 

…Das Risiko wird wieder in das System eingeführt. Die Geier kreise wieder….Am beunruhigendsten ist vielleicht, dass das Ego an der Wall Street immer noch eine zentrale Rolle spielt.